Interview für die Zeitung „student“

Mein Interview für die Juni-Ausgabe des student! ist bisher nur in der Print-Ausgabe erschienen – hier findest Du es online.

Ich finde, es ist gut geworden, und mir hat es Spaß gemacht. Zumal das Interview von einer Frau geführt wurde und so manchmal unterschiedlliche Sichtweisen aufeinanderprallten.

Viel Spaß … (die Bilder sind von mir hinzugefügt)

„Intellektuelle Dinge funktionieren nicht“

Flirtcoach Thomas Fuchs über die Kunst der amourösen Annäherung

Den Date Doktor gibt es nicht nur im Film: Thomas Fuchs ist ausgebildeter Businesscoach und bietet als „Flirtfachmann“
professionelle Hilfe für chronisch Schüchterne. student!-Redakteurin Julia Rohrer unterhielt sich mit ihm über die Feinheiten
des erfolgreichen Flirts.

student!: Was zeichnet einen gelungenen Flirt aus?

Fuchs: Ein guter Flirt ist es, wenn ich nicht auf das Ergebnis schaue, sondern einfach den Moment genieße. Sobald ich mich auf ein Ziel fixiere, werde ich verkrampft, das kann nicht funktionieren. Außerdem muss ich mir klar sein, dass ich genau so viel wert bin wie die Frau – wenn sie nein sagt, dann ist das ihr Pech und nicht meins! Das vermittle ich vor allem Menschen, die bisher schlechte Erfahrungen gemacht haben.

student!: Wie gelingt das, wenn ich vom Flirten keine Ahnung habe und zudem noch schüchtern bin?

Fuchs: Jeder hat irgendwie eine Ahnung vom Flirten! Jemand, der sehr schüchtern ist, könnte jeden Tag seine Komfortzone ein bisschen erweitern. Am ersten Tag geht er raus und spricht jemanden unverfänglich an, fragt beispielsweise nach dem Weg. Am nächsten Tag könnte er dann drei fremden Menschen Hallo sagen. Dann könnte er einer Verkäuferin, oder jemand anderem, der von Berufs wegen freundlich ist, ein Kompliment machen, ohne dabei irgendwelche Absichten zu hegen. Und nach dem dritten Tag, oder der dritten Woche, dem dritten Monat, könnte er einer fremden Frau ein Kompliment machen – und damit ist er beim Flirten angelangt.

student!: Gibt es keinen Trick, um schneller zum Ziel zu kommen?

Fuchs: Gäbe es den, hätte ihn sicher längst jemand entdeckt und teuer verkauft. Es gibt aber Dinge, die man vermeiden sollte. Man sollte der Frau nie gleich einen Drink ausgeben. Bei Ihnen als Frau kann es funktionieren, weil Sie damit aus der Masse herausstechen. Aber als Mann wäre ich nur einer von vielen. Ein schüchterner Informatikstudent traut sich vielleicht erst nach zehn Bier, eine fremde Frau anzusprechen. Auch das kann nur schief gehen, deswegen sollte er lieber erst Blickkontakt aufnehmen und schauen, was passiert.

Partnerbörse für Studenten

student!: Online empfehlen Sie, dass man die Frau, in die man sich verliebt hat, wie jeden anderen Flirt behandeln sollte. Dem würde ich vehement widersprechen. Was soll man bitte dadurch erreichen?

Fuchs: Ein unsicherer Mann, der sich verliebt, wird nur noch schüchterner. Das ist allgemein nicht gut, deswegen hilft es, die Sache nicht so verkrampft zu sehen. Anders wäre es, wenn man zu 100 Prozent zu seiner Unsicherheit stehen würde. Aber in der Regel will man die erst mal vertuschen, weil man schon so viele schlechte Erfahrungen gemacht hat.

student!: Sie coachen auch Frauen. Gibt es Unterschiede?

Fuchs: Mit den Frauen gehe ich seltener auf die Straße, sondern übe eher in meiner Praxis. Erfahrungsgemäß macht es weniger Sinn für Frauen, aktiv Männer anzusprechen. Das Rollenverhalten ist einfach ganz anders geprägt. Das Yin, die weibliche Kraft, ist passiv; das Yang, die männliche Kraft, aktiv. Als Mann habe ich also von Natur aus den aktiven Part, zumindest in der Flirtphase. In der Beziehung und im Bett sieht es dann wieder ganz anders aus.

student!: Wie bitte? Als Frau soll ich keine Männer ansprechen?

Fuchs: Das muss nicht so sein! Würden Sie einfach so auf der Straße einen Mann ansprechen? Dann wären Sie eher eine Ausnahme. Als Strategie würde ich dann ein Katz-und-Maus-Spiel empfehlen, aber vermutlich müssten Sie das als Frau nicht extra lernen. Für die Frauen, die zu mir ins Coaching kommen, ist das Problem eher: „Wie bringe ich ihn dazu, dass er mich interessant findet und endlich anspricht?“ Da steckt gesellschaftliche Programmierung und auch Stolz dahinter. Die Frage ist dann: „Ist er nur schüchtern oder findet er mich nicht so gut?“ Wenn er zu schüchtern ist, muss man über den eigenen Schatten springen und aktiv werden, beispielsweise seine Nähe aufsuchen, ihn zufällig berühren, etwas „aus Versehen“ fallen lassen und schauen, ob er es aufhebt.

student!: Wie gelingt der Übergang vom Flirt zur Liebe?

Vom Flirt zur Liebe

Fuchs: Das Wichtigste ist es, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen. Dafür unterhält man sich über Dinge, die positiv besetzt sind wie Wünsche und Träume: „Was wolltest du werden, als du ein Kind warst?“, „Was wäre dein Traumurlaub?“ Jedes Thema, bei dem der andere ins Schwärmen geraten kann, ist geeignet. Fantasie ist wichtig und schafft eine gefühlsmäßige Verbindung. Intellektuelle Dinge funktionieren nicht. Wir verlieben uns schließlich nicht mit dem Verstand. Wir verlieben uns mit dem Herz, die Wissenschaftler sagen: mit unserem limbischen System. Das zu verstehen. fällt den Informatikern, Ingenieuren und den Versicherungsverkäufern oft sehr schwer, und das ist auch eine der Hauptzielgruppen meines Flirtcoachings.

student!: Was würden Sie den ganz Hoffnungslosen sagen, die behaupten, bis ans Ende aller Tage allein bleiben zu müssen?

Fuchs: „Ja, dann ist das wohl dein Schicksal! Es gibt Menschen wie du, da ist das genetisch. Da kann man gar nichts machen, du wirst das nie schaffen können.“ Spätestens dann kommt eine Erwiderung: „Nee, das glaub ich dir jetzt aber nicht, das ist doch Unsinn!“ So kommt die betroffene Person dann von ganz allein zum Handeln.

Soweit das Interview … vielen Dank an Julia Rohrer vom student!.