Ich werde nicht wahrgenommen – besonders von Frauen

Dies ist eine Frage eines Lesers / einer Leserin.

Frage:

Hallo Thomas,

ich bin 26 Jahre alt.

Selber würde ich mich als Introvertiert und schüchtern bezeichnen. Außerdem bin ich echt klein 1,65m, was zumindest in meinem Kopf eine Blockade ist.

Ich fühle mich oft überhaupt nicht wahrgenommen.

Ich habe die erste Übung aus dem „Bootcamp“ probiert und probiere es auch immer wieder wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin und zurück.

Die Leute schauen aber nicht zurück, entweder Stur nach vorne / zum Boden oder in eine komplett andere Richtung. Das ist ein echt bescheidenes Gefühl. Und verstärkt mein Gefühl des „nicht wahrgenommen werden“ immer mehr.

Ich habe absolut keine Ahnung, woran das liegt … Vielleicht steht ja in fetter Leuchtschrift NERD auf meiner Stirn. o0 Aber wenn ich im Spiegel schaue, sehe ich das nicht. 😉

Ich werde nicht wahrgenommen

Ich will raus aus diesem Schneckenhaus und mich entwickeln und Erfolg bei Frauen haben.

Aber ich habe auch furchtbare Ansprechangst, der Hals in dann sofort wie zugeschnürt, sogar wenn ich nur eine Verkäuferin Frage, wo etwas steht.

Ich bin jetzt bei Toastmasters, wenn dort vorne stehe und was erzähle bin ich total nervös und mir wird immer gesagt meine Stimme ist viel zu leise, selbst wenn ich nach meinem Empfinden laut spreche.

Vielleicht hast du ja den ein oder anderen Tipp für mich.

Gruß

Reinhard

Antwort:

Lieber Reinhard,

Du hast schon sehr richtig erkannt, dass Deine Befürchtungen betreffend Deiner Körpergröße eher eine  Blockade im Kopf“ sind als ein reales Problem.

Vielleicht entdeckst Du, wenn Du Dich umschaust – oder in der Geschichte – viele eher körperlich kleine Männer, die viel erreicht haben. Oder auch attraktive Frauen an der Hand haben, die oft größer sind als sie.

Ich kann Dich übrigens gut verstehen, kenne einige Dinge aus eigener Erfahrung … und viele Menschen, denen es ähnlich geht.

Manchmal ist es so, dass wir dieses Nicht-Wahrgenommenwerden mit unseren Eltern schon in bestimmten Situationen erlebt haben:

  • In unserer Generation gehörten die Eltern meist zur Nachkriegsgeneration, und hatten selbst viele eigene Probleme zu lösen, so dass sie ihre Kinder nicht immer wirklich „wahrnehmen“ konnten – ihm die Aufmerksamkeit geben, die sich ein Kind wünscht und braucht.
  • Als Kind prägt man sich diese Verhaltensmuster ein, und verhält sich später oft (auch wieder unbewusst) so, dass andere einen nicht wahrnehmen.

Dadurch, dass man sich so ein Muster bewusst macht, wird es schon schwächer!

In diesen Fällen hilft es auch, den Eltern (innerlich) zu danken für das, was sie geben KONNTEN (das Geschenk des Lebens, und vielleicht mehr …) und sich zu verpflichten, als Erwachsener seinen Weg zu gehen und das Beste daraus zu machen.

Aber ich kenne Dich nicht, und kann hier nur eine Hypothese aufgrund Deiner wenigen Zeilen aufstellen …

Mehr kann man persönlich oder in einem Telefoncoaching herausfinden, und dann vor allem an den „inneren Blockaden“ arbeiten.

Aber ich möchte Dir auch gratulieren – zu Deinem Mut und Deiner Entschlossenheit, die Übungen auch wirklich zu machen!

Und Toastmasters – das finde ich echt mutig, sich immer wieder der Herausforderung zu stellen.
Du gehörst damit zu den < 10%, die wirklich an sich arbeiten.

Was Du noch im „außen“ machen kannst:

  • Jeden früh 5 Minuten vor dem Spiegel sprechen: Schlag ein Buch auf, tippe mit dem Finger auf ein Wort und rede dazu 5 Minuten. Sprich laut und deutlich – es kann Unsinn sein, aber mach die 5 min voll.
  • Einen Improtheater-Kurs
  • Schauspielunterricht
  • Stimmtraining
  • eine andere Blickkontakt-Übung: Schau jedem Menschen, den dir begegnet, kurz in die Augen – genau so lange, bis du seine/ihre Augenfarbe erkennen kannst. Sprich für dich einfach „braun“, „blau“, „grün“ … Ein kurzer Blick mit großer Wirkung, ich habe es selbst probiert.

Achte immer auf Deine Körperhaltung beim Ansprechen oder Blickkontakt: Das Gehirn schließt aus einer aufrechten Haltung darauf, dass Du in einem selbstsicheren Zustand bist … und aus nach oben gezogenen Mundwinkeln, dass man fröhlich ist. (Fake it ‚til you make it)

Vielleicht fallen Dir noch andere Übungen ein …

Bleib dran, weiterhin so viel Mut und Courage!

Liebe Grüße

Thomas