Männlichkeit leben

Irgendwie war es schon mal klarer als Mann. Und einfacher, sich „männlich“ zu verhalten. Scheinbar …

  • Hattest Du auch schon mal dieses Gefühl?
  • Hattest Du wirkliche männliche Vorbilder?

Oder geht es Dir so:

Niemand sagt Dir, wo’s lang geht … aber alle erwarten, dass Du es weißt.

Nicht zu Unrecht, aber aus einem anderen Grund, als Du jetzt vielleicht denkst. Aber ich greife vor …

Woher kommt diese tiefe Desorientierung, die offenbar viele Menschen – Männer wie Frauen – erfasst hat?

Dazu müssen wir ein wenig zurück gehen – in unsere Vergangenheit.

Männlichkeit leben - aber wie??

Männlichkeit leben - aber wie??

Unsere Väter oder Großväter waren im Krieg. Und wenn nicht – dann auf andere Weise betroffen. Die grausame Zeit der zwei Weltkriege ist an niemandem in Europa spurlos vorbeigegangen.

Wenn diese Männer aus Krieg oder gar Kriegsgefangenschaft zurückkamen, waren sie oft gebrochen oder traumatisiert.

Die meisten erzählten nichts über den Horror, den sie erlebt hatten. Manchmal auch aus Scham, zu den Tätern gehört zu haben.

Therapien gab es damals nicht – und neben der Arbeit des Wiederaufbaus sowieso keine Zeit dafür.

Dadurch lebte das Kriegstrauma weiter – in der Familienseele und in den Alpträumen der Kinder und Enkel. In meinen und Deinen Alpträumen.

Denn was versteckt oder verdrängt wird, das kehrt wieder. So lange, bis es anerkannt und aufgelöst ist.

Vielleicht war (oder ist) Dein Vater oder Großvater

  • Ein gefühlskalter, eiserner Patriarch, der Dir beizeiten beigebracht hat, dass ein Junge nicht weint … und zu seiner Zeit war dies vielleicht sogar richtig.
  • Ein weibisches, schwaches Anhängsel seiner Frau – „unter dem Pantoffel“
  • Oder einfach nicht da. Egal, ob er körperlich anwesend war oder sich auf Arbeit verschanzte … da war keine wirkliche Präsenz oder Anwesenheit. Und dieses Loch fühlst Du noch heute.

Vielleicht hast Du Deinen Vater gehasst und wolltest nie so werden wie er – und bist doch so geworden, in mancherlei Hinsicht. Natürlich.

Was tun?

Anerkenne Deinen Vater und Deine Großväter.
  • Egal, ob sie in Deinen Augen Opfer oder Täter, feige oder mutig … stark oder schwach waren.
  • Hättest Du anders gehandelt oder wärst Du anders geworden? Hättest Du es gekonnt? Kannst Du es überhaupt beurteilen?
  • Ehre Deine männlichen Ahnen für ihr Schicksal und für das, was sie waren und sind. Ent-schuldige sie, und befreie sie damit von der Illusion der Schuld – denn sie ist nichts als eine Illusion, bestimmt durch die zufällig gerade vorherrschende gesellschaftliche Meinung.

Tue das für Dich allein – vielleicht in einem kleinen Ritual.

Und unsere Mütter und Großmütter?

Sie mussten die familiäre Last der Kriegsjahre allein tragen – und oft auch danach, wenn die Männer nicht zurückkehrten.

Die Frauen dieser Generationen waren ebenso überfordert wie die Männer. Großmütter und Mütter wurden entweder hart und kalt – oder verzweifelt-anhänglich, statt dem nicht-präsenten Mann nun den Sohn mit ihrem Drama und ihrer Fürsorglichkeit erdrückend.

Vielleicht hattest Du eine solche Mutter, die Dich mit ihrer Emotionalität erdrückt hat.

So wuchs unsere Generation mit einem Übermaß und Ungleichgewicht an weiblichen Erzieherinnen, Lehrerinnen und Vorbildern heran.

Anerkenne jetzt auch Deine Mutter und Deine Großmütter.
  • Egal, ob sie in Deinen Augen Opfer oder Täter, feige oder mutig … stark oder schwach waren.
  • Hättest Du anders gehandelt? Hättest Du es gekonnt? Kannst Du es überhaupt beurteilen?
  • Ehre Deine weiblichen Ahnen für ihr Schicksal und für das, was sie waren und sind. Befreie sie ebenfalls von der Illusion der Schuld.

Tue das wieder für Dich allein, vielleicht in einem kleinen Ritual.

Mann sein

Die Vergangenheit zu sehen und anzunehmen bedeutet, frei zu werden ... für die Zukunft.

Jetzt löse Dich von Deinen Eltern. Alles, was sie Dir geben konnten, haben sie Dir gegeben.

Wenn sie es gekonnt hätten, hätten sie mehr für Dich getan. Aber sie konnten es nicht. Du bist hier und lebst, also haben sie ihre Aufgabe erfüllt.

Nimm alles Gute von ihnen an.

Aber schaue nicht nach ihnen, wenn Du Orientierung suchst. Sie können sie Dir nicht geben.

In dieser Frage bist Du auf Dich allein gestellt.

Ich habe in meinem Leben ständig und hartnäckig bis verzweifelt nach dieser Orientierung gesucht:

  • Bei Vaterfiguren und männlichen Vorbildern
  • Bei Frauen – als Geliebte und Partnerinnen
  • In Vereinen, Freundeskreisen und Initiativen

Bis ich den entscheidenden Fehler erkannte: Ich hatte immer im AUSSEN gesucht. Bei anderen.

Natürlich können Dir andere, einschließlich unserer Eltern, Freunde, Geliebten Impulse geben. Oft auch sehr nützliche.

Aber:

Deinen Weg als Mann musst Du selbst finden. Niemand kann das für Dich tun. Keine Frau, kein Vorbild und auch keine Gruppe von Menschen.

Übernimm die volle Verantwortung für Dich selbst.

Vielleicht sagst Du jetzt: „Aber die habe ich doch übernommen. Ich verdiene mein eigenes Geld und kümmere mich um meine Angelegenheiten.“

Dann frage Dich:

  • Bin ich zufrieden?
  • Gehe ich wirklich meinen Weg?
  • Oder tue ich das, was von mir erwartet wird … von Eltern, Freunden, der Gesellschaft?
Die Gesellschaft kann Dir Deinen Weg nicht zeigen – sie kennt ihn nicht. Du musst ihn selbst finden.

Und es kann sein, dass Du Dir diese und ähnliche Fragen jeden Tag aufs Neue stellen musst:

  • Ist dieser Weg mein eigener Weg?
  • Was würde mich wirklich begeistern?
  • Was will ich anderen geben?
  • Was ist meine Mission auf diesem Planeten in diesem Leben?
  • Was würde ich tun, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden?

Nimm Dir Zeit für Dich selbst. Dann hör auf Dein Herz. Achte auf innere Bilder, Gedanken und Visionen.

Männlichkeit leben bedeutet, seinen eigenen Weg zu gehen

Männlichkeit leben bedeutet, Deinen eigenen Weg zu gehen ... auch wenn dieser Dir noch unscharf erscheinen mag oder steinig

Frage Dich: Kommt dies aus meinem Verstand, meinem Bauch oder meinem Herzen?

Achte auf Dinge, die sich in der Außenwelt zeigen: Begegnungen, Umstände, plötzliche Chancen.

Hab Geduld mit Dir.

Während meines neunmonatigen Rückzugs zu mir selbst habe ich manchmal wochenlang … die Leere in mir betrachtet, die als Antwort kam.

Ich bin vielen Pfaden gefolgt – anderen nicht.

Und ich weiß, dass es kein „endgültiges Ankommen“ gibt.

Wenn Du diese Idee noch hast, dann löse Dich auch davon.

Wenn es keine Wege mehr zu gehen gibt, dann bist Du tot. Oder tod-unglücklich wegen der Langeweile.

Das Spannende ist, auf dem Weg zu sein. Das Einzige, was Dich als Mann echt und wahrhaftig macht.

Und damit auch wahrhaft attraktiv: Das Ankommen bei Dir selbst.

Und nur dann kannst Du anderen wirklich etwas geben.

Brich jetzt auf – auf Deine persönliche Heldenreise.

Alles Gute!

Thomas