Verliebt und schüchtern

Dies ist eine Frage eines Lesers / einer Leserin.

Frage:

Hallo Thomas,

ich bin vor ein paar Wochen auf deine Seite gekommen und ich muss sagen, sie gefällt mir sehr. Super!

Ich schreibe dir, weil mich meine Schüchternheit echt ‚umbringt‘.

Ich habe schon seit ein paar Jahren keine Freundin gehabt. Ich bin also sozusagen ‚Dauersingle‘ und ja es ‚kotzt‘ mich an!

Von vielen Menschen wurde ich schon gefragt, warum ich keine Freundin habe.

Ich müsste sehr viele Anfragen bekommen, aber die meisten Frauen, den ich begegne sind entweder schon vergeben, verheiratet oder wurden von Männern so verletzt, dass sie keine Lust mehr haben auf eine Beziehung.

Das ist natürlich sehr schade, aber zur Zeit mach ich was durch was mir den Schlaf als auch den Appetit raubt:

Verliebt und schüchtern

Verliebt? Aber schüchtern ...

Ich besuche das Gymnasium, und auf meine Schule geht ein Mädchen, was mir echt den Kopf verdreht hat. Das Ganze geht jetzt schon über ein halbes Jahr und ja auch das geht mir echt auf die Nerven, dass ich das Mädchen noch nicht angesprochen hab.

  • Am Anfang hat sie Interesse gezeigt, aber leider hab ich ihr Interesse wohl nicht beachtet bzw. nicht gemerkt.
  • Sie schaut mich immer nur an bzw. sie sucht Blickkontakt.
  • Manchmal schaut sie mich lange an und dann wieder nur kurz.

Ich mein, wenn sie alleine ist hab ich kein Problem sie anzusprechen, aber das ist ja fast nie. Andauernd hängt sie mit ihren Freundinnen rum, was ja auch ganz ok ist. So sieht man, dass sie kontaktfreudig ist, aber warum tu ich mich da so schwer?

Auf deiner Seite schreibst du, dass Frauen die Männer in der Regel nicht ansprechen.

Gut, dass ist so! Das liegt in der Natur, aber warum fällt mir das immer so schwer?

Das tollste kommt ja noch und da wirst du wohl auch deine Hände aufs Gesicht schlagen, wenn du es nicht schon getan hast:

Denn seit ein paar Wochen haben wir keine Schule mehr. Die Prüfungen sind vorbei und wir haben unsere freien Tage.

Und was mach ich? Ich stehe trotzdem morgens auf, weil ich sie unbedingt sehen will! Und Nachts krieg ich fast kein Auge zu, weil ich insgeheim bete, dass ich sie am nächsten Tag wiedersehen will.

Kannst du mir helfen?

Dank im Voraus

Uwe

Antwort:

Lieber Uwe,

ich möchte Dir zuerst etwas über Schüchternheit verraten:

„Schüchternheit“ ist ein erlerntes Muster. Wir (und damit meine ich die meisten Menschen) haben als Kinder und auch später oft gelernt, uns zurückzuhalten, um das zu bekommen, was wir möchten.

Und das war in vielen Situationen richtig.

Nur später, um einen Partner/eine Partnerin kennenzulernen, ist dieses Verhalten oft nicht zielführend.

Du bist also damit nicht allein – vielen Männern (und Frauen) geht es so. Und ich hätte Dir gegönnt, dass Du mehr positive Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht hättest.

Die gute Nachricht ist:

Schüchternheit kann man auch wieder ver-lernen!

Dazu habe im Blog schon viele Artikel, deshalb will ich hier nicht noch einmal im Detail darauf eingehen.
Zum Beispiel hier.

Leider sind die nicht geordnet, und es gibt auch noch viel mehr davon, wenn man sich durchklickt.

Alternativ gibt es den kostenlosen eMail-Flirtkurs mit den Übungen für die Straße.

Wenn Du jetzt Ferien hast und Zeit (und Lust) – wie wäre es, wenn Du ab und zu mal üben gehst?

Fang mit einfachen Dingen an – Blickkontakt, später „Hallo“ oder Frauen nach dem Weg fragen.

Dieses Mädchen:

Hier kann ich Dein Gefühl nicht einordnen …

Bist Du verliebt? Meine Erfahrung ist: Verliebt zu sein fühlt sich gut an.

Verliebt zu sein ist immer eine Bereicherung des Lebens, egal wie die Sache am Ende ausgeht.

  • Man entdeckt Gefühle in sich selbst, die man vorher noch nicht kannte, die Welt sieht auf einmal bunter aus oder riecht anders …
  • Es gibt eine innere positive Spannung, eine kribbelnde Lebensenergie … man fühlt sich stärker und lebendiger, voller Leichtigkeit.
  • Wenn die andere Person unsere Gefühle nicht erwidert, dann gibt es zwar eine Art Ent-Täuschung oder Traurigkeit,
  • aber man bewahrt die Erinnerung an die starken Gefühle (positiv und „scheinbar negativ“) trotzdem als eine wertvolle Erfahrung im Leben.
Schüchtern und verliebt: Wie kann ich sie ansprechen?

Schüchtern und verliebt: Wie kann ich sie ansprechen?

Und das Geheimnis dabei ist:

Keine Person „macht“ diese Gefühle, keine Person ist dazu imstande. Die machen wir selbst.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass wir denken, wir brauchen etwas oder jemanden unbedingt.
Ich habe viele solche Erfahrungen gemacht.

Das fühlt sich nicht so gut an, wie ein Gefühl des „Mangels“ und man denkt dann, eine andere Person (oder eine Sache, oder eine bestimmte Fähigkeit) könnte uns wieder „komplett“ oder zufrieden machen. Was natürlich ein Trugschluss ist …

Hier kann ich nicht genau einordnen, zu welcher der beiden Kategorien Deine Gefühle zählen. Vielleicht ist es von beidem etwas.

Meine Erfahrung und Philosophie des Lebens ist:

Wir sind auf der Welt, um Erfahrungen zu machen.

Und jedes positive oder (scheinbar) negative Ereignis oder Gefühl ist eben genau das: eine Erfahrung, an der man wachsen kann und daraus lernen. Indem man sie zulässt.

  • Vielleicht kannst Du dieses Kribbeln im Bauch, diese „Schlaflosigkeit“ auch genießen?
  • Dich darüber freuen?
  • Ist es eine Bereicherung des Lebens, bringt es mehr Farbe und Lebendigkeit?
  • Was hättest Du sonst in Deinen Ferien gemacht? Vielleicht das „Übliche“, vielleicht auch Dinge, die langweilig sind?
  • Was würde ein Schriftsteller über diese Phase Deines Lebens schreiben – wäre es Stoff für einen Roman?

Ich kann Dir keine konkreten Ratschläge geben, wie Du Dich verhalten sollst, dazu kenne ich das Schul-Umfeld zu wenig.

Wenn Du sie ansprechen willst, dann tue das einfach. Gehe hin und sage etwas – mehr ist es nicht und mehr gehört auch nicht dazu.

  • Überlege dir, was du zu jemandem sagen würdest, den du „cool“ findest oder
  • sympathisch, und stell dir vor, du möchtest einen neuen Freund gewinnen.
  • Gib ihr innere Sicherheit, zeige Dich zum Beispiel als der „sympathische Junge von nebenan“.
  • Wenn es zu dir passt, auch als der „freche sympathische Junge“.

Denn so wie es sich darstellt, ist sie mindestens genauso unsicher wie Du. Und das macht es spannend.

Wenn du sie nicht ansprichst – oder wenn sie nicht so „positiv“ reagiert – dann ist es eben eine wertvolle Lebenserfahrung für Dich, und Du kannst für das nächste Mädchen, das Du gut findest, daraus lernen.

Alles Gute!

Thomas